Feuerfahrt

Schalke Feuerfahrt

(Die „Feuerfahrt“ ist eine wahre Geschicht, die sich bei unserem dritten Abstieg 1988 gegen Nürnberg ereignet hat. Auch ein kleiner Denkanstoß für alle, die sich an die erste Liga und Europacupspiele gewöhnt haben)

Die Woche fängt spitze an. Ich komme zu spät zu Mathe Leistung bei Einsfünfzig, dem Alptraumpauker aller Schüler! Aber schnell überwand ich meine Gedanken an eine weitere Lehrerdiskussion mit dem Glauben an einen Sieg am Wochenende gegen unsere Freunde, die Clubberer aus Nürnberg. Bitte keinen dritten Abstieg dachte ich mir, als ich in meinem roten Käfer mit Tempo neunzig über die Heessener Straße bretterte und die Turmspitze des Internats erblickte.

Irgendwas ist hier heute anders, bemerkte ich, als der Käfer in die Schloss Strasse einbog und in der Kurve meinen Kumpel Hardy auf seinem Drahtesel überholte. Aber das war mir in diesem Moment egal, weil ich einen Parkplatz in der Nähe des Schultores sah und kurz vor Heidschnuckes BMW Cabriolet in die letzte freie Lücke schleuderte. Glück gehabt! Vielleicht schaffe ich es ja noch pünktlich zum Unterricht? Aber aus meinem neuen Sony Radio mit Kassette klang gerade die Stimme der acht Uhr Nachrichten und Einsfünfzig kam niemals zu spät! Dr. Schaf trug den Spitznamen nicht nur auf Grund seiner Größe. Er war auch in allem was er Tat und von uns Schülern verlangte, so genau wie hundertfünfzig Zentimeter. Keinen Millimeter mehr oder weniger! Zu spät war zu spät, ob eine Sekunde, oder eine halbe Stunde. Ausreden gab es für ihn nicht. Diese waren aber meine besten Argumente. Nur Einsfünfzig glaubte mir nie. Daher erzählte ich ihm unglaubliche Fantasiegeschichten, welche die anderen sechs Mitschüler immer zum lachen, aber den Pauker zur Weißglut brachten. Beim letzten mal berichtete ich ihm von einem Flugzeug, das auf der Dortmunder Straße notlanden musste.

Jetzt ist es eh egal, ob fünf oder zehn Minuten Verspätung. Da lässt sich locker noch ein paar Minuten mit Hardy über das Spiel plaudern und es blieb Zeit eine neue Geschichte für Einsfünfzig auszudenken. Mich interessierte brennend seine Meinung, denn auch er war und ist und wird immer Schalker sein und bleiben. Mit ihm wird für Samstag positive Energie getankt und nicht am Sieg gezweifelt! Das war bitter nötig, denn sollten wir Schalker die letzten fünf Saisonspiele nicht alle gewinnen, dann können wir dem Abstieg kaum noch entkommen. Ein Horrorgedanke!

Also setze ich aus der Parklücke zurück und schneide ihm den Weg ab. So war zumindest der Plan. Aber warum schaut Hardy so entsetzt? RUUUMMMS!!! In diesem Augenblick wusste ich warum und mir war auch in diesem Moment klar, was heute anders war.

Ein paar Bäume fehlten, na ja nicht ganz, die Stümpfe wurden noch nicht entfernt. Einer davon hatte soeben den Auspuff meines geliebten Käfers beseitigt.

Der rote Käfer war mein erstes Auto. Ich hatte den 1303er gerade erst vor einem halbes Jahr für schlappe 1700 DM erstanden. Eine klasse Karre, fast mein Traumauto, wenn der Wagen doch auch noch blau gewesen wäre. Mit dieser Blödheit verursachte ich aber nun schon den zweiten größeren Schaden. Aber das schlimmste war, dass ich am Wochenende der Schalkefahrer war. Mein Kumpel Axel und ich sind nun seit fast fünf Jahren bei jedem Heim- und fast jedem Auswärtsspiel dabei. Also voll königsblau infiziert. Er ist knapp ein Jahr älter als ich und hatte somit seinen Lappen schon ein Jahr länger. Nun musste ich meine Schulden begleichen und das ganze Jahr fahren! Bahn fahren kam für uns aus zwei Gründen nicht in Frage. Axel hatte wegen seiner Ausbildung zum Bäcker Samstags erst gegen eins Feierabend und wir hatten noch das God shave the Queen- Zugtrauma zu bewältigen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Meine Verspätung in der Doppelstunde Mathe konnte ich mit dem Autoschaden entschuldigen. Der Unfall wurde mehr oder weniger glaubwürdig, zeitlich umkonstruiert. Einsfünfzig begleitete mich Stirn runzelnd in der Fünfminutenpause auf den Schotterparkplatz. Also war ich ein Problem los, mal abgesehen vom verpassten Unterrichtsstoff, aber der lies sich zu diesem Zeitpunkt im Halbjahr eh nicht mehr aufholen. Es waren leider, oder besser gesagt, scheiß egal nicht meine ersten Fehlstunden. Viel wichtiger war die Lösung meines zweiten Problems. Der Wagen musste bis Samstagmittag wieder fahrbereit sein!

Mit drei weiteren Mathe Fehlstunden, einem Fuffi, einer Kiste Bier, dem Schrottplatz und meinem Schrauber Rudi wurde das Problem gemeinsam innerhalb der Woche gelöst. Rudi war bei der Übergabe etwas nervös, aber das konnte auch an seiner Vorliebe für Hörnerwhiskey liegen.
Wir fuhren fast pünktlich um 13:45 Uhr mit einem etwas lauteren Auspuff und viel nervöser als sonst Richtung Gelsenkirchen und sangen lautstark: „Parkstadion geeehn! Schalkeee, Schalkeeeeee, Schalkeee, Schalkeeee“ Aus beiden Fenstern und dem Sonnendach wehten jeweils zwei blau weiße Schals, die S04 Fahne montierten wir auf den Armaturen, über den Frontsitzen hingen unsere komplett mit Aufnähern zu gepflasterten Kutten und auf der, mit einer Deutschlandfahne überzogenen Rückbank lagen zwei Stangen Kippen. Mitbringsel aus unserem Urlaub in Spanien. Nun fehlte nur noch unsere Wegzehrung. Wie immer versorgten wir uns an der Tanke unseres Vertrauens mit sechs eisgekühlte Null Fünfer Pullen Krombacher. Dazu zwei Hörnerwhiskey für den Aberglauben. Zwei Flaschen für mich, drei für Axel und eine Kanne teilten wir uns für die siebenhundert Meter vom Minigolfplatz zum Eingang Nordkurve.

Der Hörner wurde und wird bis heute am Ende der Fußgängerbrücke mit dem ersten Blick auf die Haupttribüne des Parkstadions verzehrt. Dabei wurde von allen Mitfahrern ein Tipp über die offizielle Zuschauerzahl abgegeben. Wer näher dran war, hatte ALLES gewonnen!

Natürlich gingen nach der Durchsage der offiziellen Zuschauerzahl die Diskussionen los. Das waren doch mehr als 22000 Altaaa…, mindestens 30000! Ach was, mehr waren es schon, aber niemals mehr als 28000! Jedenfalls waren es immer mehr, als offiziell angegeben. Darüber waren wir uns Alle IMMER einig!

In dieser Grottensaison hatten wir einen so lausigen Zuschauerschnitt wie niemals zuvor. In Zahlen, knapp 17000..

Der Nachteil einer geringen Zuschauern war aber eigentlich nur der lausige Anblick der leeren Ränge des Parkstadions, das über 70000 Zuschauern Platz geboten hätte. Aber das Schöne an solchen Spielen war, dass nur echte S04 Leidensgenossen anwesend waren, die mindestens genauso verrückt waren wie wir und sich aus Liebe zum FC Schalke 04 die Niederlagen vor leeren Rängen im Regen anschauten, um dann nach zwei Schalker Pimmeln, so nannten wir im Parkstadion die Bratwurst und zehn Pils in neunzig Minuten, die Niederlage schön gesoffen, das Stadion zufrieden wieder verließen. Und die Stimmung war für Alle anwesenden gigantisch. „Altaaa, 15649 Zuschauer, verloren und sonne geile Stimmung, das macht uns keiner nach!“, war ein oft gehörter O-Ton nach dem Spiel von Schalkern aus der Nordkurve.

Bei diesem Spiel mussten es mehr als 30000 sein, darüber waren wir uns schon im Vorfeld einig. Denn es handelte sich heute um ein Schicksalsspiel, das auch wirklich diesen Namen verdient hatte.

Unter den ungläubigen Blicken der Total- Aushilfe verließen wir die Tanke und machten uns auf den Weg „AUF SCHALKE“! Auffahrt Hamm, A2 Richtung Oberhausen.

Aus dem neuen Radio röhrten in voller Lautstärke die Toten Hosen: “Und die Jahre ziehen ins Land und wir trinken immer noch ohne Verstand,…“ Wir diskutierten lautstark unsere Schalke News aus der Wochenpresse und die Meinungen der Kumpels und Kollegen. Das Kribbeln unserer Schalke Vorfreude auf das Spiel stieg beim zweiten Krommi auf den einzig wahren Wohlfühlpegel! Als wir endlich das Bergwerk Ewald und die Flutlichtmasten des Parkstadions erblickten, war Einsfünfzig endgültig für mich vergessen und die Welt für uns neunzehnhundertvierprozentig in Ordnung! In den Achtzigern schöpften wir den Spieltaggenuss zum Großteil aus unserer Vorfreude aufs Spiel bzw. der Fahrt dahin. Der Spott unserer Zecken Kollegen und Mitschüler war für die nächste Woche auf Grund von Niederlagen und Grottenkicks ja meistens gesichert. Gerade diese Saison hat es uns mal wieder besonders grausam erwischt. Wir bekamen 4×3, 5×4, 4×5 und einmal 8 Stück! Ein Drittel der Saison Schützenfest gegen uns!

Der Käfer lief wie niemals zuvor. Hundertfünfundsechzig bergab, und das mit knapp fünfzig PS. Geile Karre und „Danke Rudi!“, schmunzelte ich noch in mich hinein, als plötzlich das Gaspedal unter meinen Füßen nach gab und mir ein merkwürdiger Geruch in die Nasen stieg. Axel zündete uns gerade zwei Kippen an und wendete seinen Blick mit überraschter Miene an mich: „Riechst Du auch Benzin?“ Im nächsten Augenblick überholte uns ein Benz, dessen Fahrer mit wilden Gesten auf unser Heck deutete! Ich blickte sofort in den Rückspiegel und Axel über seine Schulter. Wir schrieen uns an: “SCHEIßE! DIE KARRE BRENNT!!!“

Der Wohlfühlpegel war mit einem Schlag verflogen! Mein erster Gedanke war: „Wie kommen wir jetzt zum Spiel?“, aber da fing auch schon der Innenraum an zu Qualmen und ich konzentrierte mich darauf den Wagen in der Spur zu halten und dann irgendwie den Seitenstreifen zu erreichen. Aber weder die Bremse noch das Gaspedal reagierten und ich beschloss uns ausrollen zu lassen, während ein Hupkonzert der Autos um uns herum die Toten Hosen übertönte. Als Axel begann zu husten, sah ich die ersten Flammen aus unserer Hutablage feuern. Es ging immer noch ziemlich stark bergab, wie sollen wir da zum Stillstand kommen? Runterschalten! Gedacht, getan, aber damit killte ich wahrscheinlich das Getriebe. Zumindest das Geräusch lies darauf schließen. Aber wir wurden langsamer und die rechte Spur war frei, vermutete ich zumindest, weil unsere fahrende Fackel auf der Bahn wohl nicht zu übersehen war. Also lenkte ich auf Verdacht auf die Spur Richtung Standstreifen. Ein paar hundert Meter vor uns hielt ein Tanksattelzug an. Der Fahrer stieg mit einem Feuerlöscher aus und rannte uns entgegen. Kurz vor Ihm kamen auch wir zum Stillstand und sprangen beide aus meinem geliebten, brennenden Käfer. Der Mann mit dem Feuerlöscher erreichte uns und wir liefen zusammen zum Heck des Wagens. Ich wollte noch die Motorhaube öffnen, aber sie war abgeschlossen und der Schlüssel klemmte im Zündschloss. Mein Käfer war am Ende und auch der nette Sattelschlepperfahrer riet mir den Wagen ausbrennen zu lassen, weil dann der Gesamtwert des Käfers von der Versicherung ersetzt würde, erklärte er mir. Das konnte ich ihm nicht glauben, aber weil mittlerweile die Rückbank brannte, hatte ich eh keine Hoffnung mehr den Wagen retten zu können.

Wir stellten uns an die Leitplanke und schauten zu, wie der VW mittlerweile lichterloh brannte. Ich fragte Axel, ob er mal eine Kippe für mich hätte. „Rückbank!“ antwortete er kurz, aber verständlich.

Etwa zur gleichen Zeit trafen die Polizei und der Löschzug ein. Die zweispurigen Autobahn wurde für die Zeit des Löschvorganges gesperrt. Als der Wagen nur noch Qualmte, wurde die linke Spur wieder frei gegeben, damit die anreisenden Fans in den anderen Fahrzeugen weiterfahren konnten.
Autos, Busse LKW’s fuhren im Schritttempo an uns vorbei. Wir waren eine große Attraktion und als ich die ersten Personen mit Kameras erblickte, konnte ich mir eine Träne nicht verkneifen. Heulte ich jetzt wegen meines ausgebrannten Käfers, oder lag die Trauer im Verlust unserer verbrannten Kutten und Schals? Nein, der Grund war ein Anderer! Ich fragte Axel wie spät es denn sei. „Viertel nach Drei“.

 „Komm, das schaffen wir noch!“, sagte ich zu Axel. Ich bat einen Polizisten, ob wir mitfahren könnten und sie uns in Gelsenkirchen Buer an der Ausfahrt rauslassen würden. Er überlegte kurz, schüttelte den Kopf und antwortete schmunzelnd: “Bekloppte Schalker eben, da kann die Mama sterben, Hauptsache das Spiel gucken,… aber ok, wird gemacht!“ Axel brachte in der Zeit beim Abschleppwagenfahrer die Schrottplatzadresse in Erfahrung und schon ging es im Bullenwagen, die letzten zwei Kilometer weiter Richtung Schicksalsspiel gegen Nürnberg AUF SCHALKE!

Die Beamten ließen uns an der Ausfahrt aussteigen und wir erklommen die Fußgängerbrücke. Oben angekommen fuhr mein verkohlter Käfer auf einem Abschleppwagen unter uns her. Ich blieb stehen. Ein letzter Blick und etwas Wehmut, aber Axel rief: “Komm wir haben einen Auftrag!.“ Die Rettung von Schalke stand auf dem Programm, jede Stimme zählte und wir durften möglichst keine Sekunde vom Spiel verpassen. Aber es war schon kurz nach halb Vier. 15:30 Uhr ist Anpfiff. Also rannten wir Richtung Nordkurve an unserer Aberglauben Stelle vorbei, denn der Hörner war im Käfer zu Jägersuppe gekocht worden. Eben noch Karten besorgen, 5 Mark für Schüler, an den Ordnern vorbei, ab in Block N5! Wie? Noch kein Anpfiff, es war doch 15:37 Uhr!

Wir drängelten uns mitten in die Kurve vor, und dann kam auch schon eine Durchsage über den, von einem brennenden Zeckenschal zum Brand entfachten Lautsprecher: „Auf Grund eines Staus auf der A2 wird sich der Anpfiff des Spiels um ca. 10 Minuten verzögern! – Auf Grund eines Staus auf der A2 wird sich der Anpfiff des Spiels um ca. 10 Minuten verzögern!“ Axel und ich konnten uns ein Lachen nicht verkneifen. Dann grölten wir gemeinsam los: “Schalkeee, Schalkeeee,… Schalkeee, Schalkeeee!“ Bock 5 und dann die ganze Kurve stimmten ein: Schalkeee, Schalkeeee, – Schalkeee, Schalkeeee!

Das Spiel war grottenschlecht, aber die Spannung resultierte aus der Tabellensituation und die Stimmung war super, obwohl man nie das Gefühl hatte, dass Schalke ein Tor schießen könnte und die Nürnberger es auf Grund der Fanfreundschaft nicht wollten. Der Ball landete unzählige male im Graben zwischen Tartanbahn und Nordkurve und es dauerte jedes Mal eine gefühlte Ewigkeit bis weitergekickt wurde. In der Halbzeit erfuhren wir die offizielle Zuschauerzahl von 17500. Ja super, wieder keine 30000. Diskussionsstoff für die Halbzeit! So ein wichtiges Spiel, wo waren die Anhänger? Wir redeten uns die Zuschauerzahl auf 25500 schön. Die Zweite Halbzeit machte mich fast Wahnsinnig. Die Ergebnisse aus den anderen Stadien waren schlecht zu erfahren, weil der Lautsprecher mittlerweile komplett abgefackelt war. Wie unser Käfer, dachte ich mir.
Alle spielten gegen uns. Unser Abstiegskick endete 0:0! Es sei denn wir gewinnen die letzten vier Spiele und die Konkurrenz verliert alles. Was nicht möglich war, weil die Anderen gefährdeten Teams noch gegeneinander antreten mussten. Das haben viele Fans nicht sofort kapiert, daher hielt sich beim bislang letzten Abstieg die Trauer in Grenzen. Aber uns war klar, der dritte Abstieg war perfekt. Ich hatte alle Konstellationen während der Woche häufiger studiert, als meine Hausaufgaben.

Niedergeschlagen marschierten wir nach dem Spiel Richtung Schrottplatz, um zu erfahren was jetzt mit meiner Karre geschehen wird und um telefonisch einen Lift nach Hamm zu organisieren. Und irgendwie mussten wir ja wieder nach Hause kommen. So ohne Kohle. Ich erhielt einen Wisch vom Schrottplatz und Axels Vater Karl Otto, genannt KO, holte uns ab. Wir sprachen auf dem Rückweg kaum. KO bestätigte unsere Vermutung. Schalke spielt nächstes Jahr zum dritten Mal in Liga 2. Unseren Frust hatten wir bis Sonntagmorgen in eine Wiederaufstiegsparty mit Bier und gefühlten 1904 Jägermeister umgefeiert.
Aber im Unterhaus verweilten wir drei lange Jahre und wären sogar fast in den Amateurfußball abgestiegen, wenn Günni uns nicht gerettet hätte. Parallel entwickelten sich meine Leistungen in den drei Jahren Oberstufe. Mein persönlicher Abstieg kam mit drei Defiziten bei Eisfünfzig in der zwölften Klasse im zweiten Jahr zweite Liga. Ich blieb erstmalig sitzen. Zum Glück! So konnte ich mich mit einem neuen coolen Lehrer, guten Leistungen und ohne Einsfünfzig voll auf mein Lulu Abitur Jahr und den Aufstieg konzentrieren. Der Tanklastzugfahrer behielt Recht! Für den Käfer erhielt ich 2600 Mark von der Versicherung. Abzüglich aller Reparaturen deckte der Gewinn die Kosten für Kultfahrten und Karten nach Meppen, Kassel, Schweinfurt, Mannheim, Saarbrücken und Berlin. Also Wohlfühlpakete, einfach die im Rückblick schönste schmerzhafte Zeit, bevor mit dem unglaublichen UEFACUP Sieg 97, quasi der Krönung, die Arena Touristen Einzug hielten und die Kommerzialisierung auf Schalke seinen Lauf nahm.

Als ich am Montag Morgen um 8:03 Uhr, also pünktlich drei Minuten zu spät den Klassenraum betrat, war mir die Einsfünfzig Standpauke Scheiß egal. Ich hatte mir auch diesmal keine Geschichte ausgedacht, als der Bus eine viertel Stunde Verspätung hatte und mir klar wurde, dass ich zu spät kommen würde. Zu tief saß noch der Abstiegsstachel. Mal abgesehen von den Sprüchen meiner Mitschüler, die mich die nächsten Wochen erwarteten würden.

„Herr Wisznewski, was denken Sie sich eigentlich dabei? Wie wichtig ist Ihnen Ihre Zukunft? Haben Sie schon mal etwas von Disziplin gehört? Wir haben hier einen Zeitplan einzuhalten, blablabla…!…blablabla… Was haben Sie diesmal wieder für eine unverschämte, unglaubliche Ausrede parat? Ist vielleicht wieder eine Boing auf der Dortmunder Straße notgelandet, oder abgestürzt?“.
Ich musste nicht lange überlegen: „Nein Cheff, es war eine wahre Feuerfahrt hierher, mein Käfer ist abgebrannt!“ Die Klasse brach in Gelächter aus und ich sang: „Wir steigen auf, hey, auf hey, auf steigen wir, und deutscher Meister, ja das werden wir!“

©2008 Kai Wisznewski

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Über Kai 19 Artikel
Einen Tag nach der ersten Mondlandung In Hamm geboren. Erstes Spiel Live: 1976 gegen Nürnberg. Seit den 80igern Jahreskarteninhaber. Pro: Boxer, den Meister, Latal, Abi, Klaus Fischer, Wilmots, Ebbe, Bordon, Borodjuk, Böhme, Huub, Neururer, G.+K. Eichberg. Contra: Golden Goal, Wiederholungsspiele, Söldner, Zecken- und Barziewechsler, Arenatouries und eigene Team Auspfeiffer, Netze vor der Kurve.

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