Mein erstes Spiel!

Maya Schalke

ich heiße Maya und bin 04 Jahre. Am Wochenende frühstücke ich oft mit Mama und Papa im großen Bett. Das ist ganz toll, ich darf alles, auch Fernsehen. Letztes Wochenende hat Papa mich gefragt, ob ich mit „Auf Schalke“ fahren will. Ich habe sofort „jaaa, ins Stadion?“ gerufen! Papa hat gesagt, was ich sagen soll, wenn mich jemand nach meinem Namen fragt: „Maya mit Ypsilon“, weil die Biene Maja ein schwarz gelbes Trikot an hat.

Dann hat Papa uns zwei Eintrittskarten von dem Berger Knappen Fanclub besorgt. Warum die so heißen verstehe ich nicht. Auf den T-Shirts sind doch Wassertürme drauf. Aus Papa’s Schalke Kiste durfte ich mir aussuchen was ich wollte. Ich habe mir einen Schal, eine Zipfelmütze und ein schwarz-blaues Trikot mit einer Neun hinten drauf ausgesucht. Papa sagte mir, dass da vorne Bier, oder so was drauf steht. Später habe ich dann auch verstanden warum. Mama hat mir dann das Riesen Trikot mit meinem rosa Lieblingsgürtel zusammengebunden und uns mit dem Auto an einer blau weissen Tankstelle abgesetzt. Das hat was mit Aberglauben zu tun sagte Papa und ich durfte mir auch noch ein Eis aussuchen. Von der Tanke sind wir dann zu Fuss zu Uschi gegangen.

Uschi hat eine Kneipe, da warten immer alle Schalker auf den Bus. Ich habe auf einem hohen Stuhl mit rundem Sitz, ohne Lehne gesessen und mir eine Apfelschorle bestellt. Das Getränk sah auch aus wie Bier und viele haben mit mir angestoßen. Uschi hat mir eine Schokolade mit Smarties geschenkt und gesagt, dass ich Papa nichts davon abgeben darf. Aber sonst war Uschi nett. Alle anderen auch. Viele Schalker haben mich maya_schalke_02gefragt, ob es „mein erstes mal“ ist, dass ich „Auf Schalke“ fahre und mich nach meinem Namen gefragt. Papa sagte mir und den anderen dann immer: „Neulinge gewinnen immer“ und ich habe brav „Maya mit Ypsilon“ geantwortet.

Dann sind wir alle zusammen mit dem Bus gefahren. Im Gang standen ganz viele Kisten mit vollen Flaschen. Die Getränke wurden dann mit blauen Zetteln bezahlt. Bei REWE, oder im Kaufland geht das nicht. Ich hatte meinen Platz mitten im Bus am Fenster. Auf der Autobahn habe ich ganz viele hupende Autos mit blau weissen Schals am Fenster gesehen und im Bus wurden Lieder gesungen, die Papa sonst immer unter der Dusche singt. So konnte ich auch schon prima mitsingen.
Dann haben wir an einem Rastplatz angehalten und alle Männer haben einfach pi pi an die Zäune gemacht, obwohl da extra ein Haus mit Toiletten stand. Und die haben sich nicht die Hände gewaschen. Das war ekelig.

Als wir am Stadion angekommen sind haben wieder alle pi pi auf dem Parkplatz gemacht. Darum bin ich ganz schnell mit Papa in den Stadionmarkt gegangen. Da hat Papa mir eine Fahne gekauft. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Wir sind dann mit dem Fahrstuhl bis unter das Dach des Stadions gefahren und haben uns auf unsere Plätze gesetzt. Das Stadion war da noch leer, wurde aber immer voller. Dann kamen die Spieler auf den Platz und alle im Stadion haben gejubelt. Ich dachte das wäre schon das Spiel, aber Papa hat mir erklärt, dass sich die Spieler erst noch aufwärmen müssen, damit die sich nicht so schnell verletzen. In der Kita machen wir das ja auch vor dem Fußballspiel.
Während wir auf den Spielbeginn gewartet haben, habe ich mir ein Brezel und Uschis Schokolade verputzt.

spiel_schalke_hoffenheimAls das Spiel dann endlich begonnen hat, haben wieder alle Schalker Papas Duschlieder gesungen. Meine drei Lieblingslieder sind: „Opa Pritschikowski“ finde ich sehr lustig, weil der Opa seine Oma ärgert und sogar fast verrück macht. „Königsblauer Es Null Vier“ finde ich super, weil ich Prinzessinnen mag. Aber am besten finde ich Scheiße BVB, Scheiße BVB, Scheiße, Scheiße, Scheiße BVB. Die Schalker in der Reihe hinter uns haben dann hinterher AA BVB, AA BVB , daraus gemacht. Papa hat mir gesagt, dass die das aus Rücksicht vor mir gesungen haben. Aber Scheiße BVB finde ich viel besser!
Zwischendurch sind alle aufgesprungen und haben gejubelt. „Der Hunter hat wieder getroffen“, sagte Papa, der auch völlig außer sich war. Bei einem Tor ist mir die halbe Bratwurst aus meinem Brötchen zwei Reihen vor geflutscht, aber kein Mensch hat gemeckert. Nee gelacht haben die. Wenn das meine Erzieherinnen in der Kita gesehen hätten, boa… Die nette Jenny mit dem Freund mit der Glatze und den vielen Haaren im Gesicht hat immer Quatsch gemacht. Erst hat Sie dem Mann den Spuckefinger ins Ohr gesteckt und dann auf die Glatze geküsst. Das war lustig. Es wanderte auch ständig eine Süßigkeitentüte durch die Sitzreihen. Ich habe die ganze Zeit über meine neue Fahne geschwenkt, die Lieder mitgesungen und mit den Händen geklatscht. Der nette Schalker neben mir hat mir auch gezeigt, wie ich die Fahne am besten wedeln soll. Alle waren nett und es hat Riesen Spaß gemacht. Schalke hat gewonnen.

Auf dem Rückweg zum Bus hat Papa noch zwei Pommes mit rot weiss gekauft. Da musste ich dann pi pi. War blöd, weil wir uns nirgendwo hinsetzen konnten und Papa hatte schon tausend mal vorher gefragt. Papa hat die Pommes dann vier Hools (was sind Hools Papa?) anvertraut, aber ich konnte nicht pi pi machen, weil da zu viele Menschen waren. Dann haben wir die Pommes wiedergeholt. Die Hools waren nett, haben keine Pommes weggegessen. Papa hat seine Schale mit einem Haps verschlungen und wir haben uns ein anderes Pipiplätzchen gesucht. Dann konnte ich endlich meine Pommes essen. Zwischendurch hat noch Mama angerufen. Ob wir später zu Dimi gehen sollen? „Prima Idee“ habe ich zu Papa gesagt.

Auf dem Rückweg waren jetzt noch mehr Schalker im Bus. Ich habe Kadda und Stefan gesehen, die waren vorher gar nicht da. Wie geht das? Alle haben noch viel lauter gesungen als auf dem Hinweg und mir gratuliert. Ich bin ein Glücksbringer, haben die Schalker im Bus gesagt. „Sag ich doch, Neulinge gewinnen immer“, hat Papa gesagt.
Auf der Autobahn habe ich noch ein brennendes Auto gesehen. Papa hat zum Glück erklärt, dass da keiner mehr drin sitzt. Darum habe ich dann auch nicht geweint, sondern mit ihm die Plätze getauscht. Am Innengang war auch noch mehr los. Ich habe noch mit Glatze und Jenny Quatsch gemacht und viele Lieder mitgesungen. Stefan hat mir eine echte Papierkarte von meinem ersten Spiel gegen Hoffenheim geschenkt. Die Plastikkarten mussten wir ja wieder abgeben. Waren nur geliehen, sagte Papa. Danke Stefan für die Karte! Kommt in meine Schatzkiste. Da wo auch mein erster Nucki drin ist.
Als wir von der Autobahn abgefahren sind, durfte ich mit Papa ganz vorne vor der Scheibe im Bus sitzen. Wie cool das war! An einer Bushaltestelle hat uns dann der Busfahrer rausgelassen. Alle haben „die Welle“ (Papa, was ist die Welle?) gemacht, gejubelt und uns zugewunken als wir aus dem Bus gesprungen sind. Das war toll!

Maya und Dimi
Maya und Dimi

Papa hat mir gesagt was ich sagen soll, wenn mich jemand nach dem Ergebnis fragt. Was ist ein Ergebnis? Jedenfalls sollte ich mir die Zahlen Vier und die Null merken. Vier für meine vier Jahre und Null für kein Tor für Hoffenheim. Dann sind wir zu Dimi gegangen. Dimi ist Grieche und macht ganz leckeres Essen. Da gehen wir oft mit Mama und Papa hin. Dimi hat mich nach dem Ergebnis gefragt, aber ich hatte das wieder vergessen. Dann hat er noch ein Foto mit mir gemacht. Wir haben bei Dimi noch Mama und unsere Freunde getroffen und draußen auf der schönen Terrasse gespielt und Schalkelieder gesungen. Papa hat mich später auf seinen Schultern in mein kuscheliges Bettchen gebracht. Das war ein sehr schöner Tag, den ich nie vergessen werde. Ich fahre bald wieder AUF SCHALKE! Wieso heißt das eigentlich AUF SCHALKE?

Danke an meinen Papa, der diese Geschichte für mich aufgeschrieben hat. Mein erstes Spiel lese ich mir durch, wenn ich lesen kann und dann in vielen Jahren immer mal wieder.

Wie war Euer erstes Spiel?

Glück Auf

Eure Maya (mit Ypsilon)

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Über Kai 19 Artikel
Einen Tag nach der ersten Mondlandung In Hamm geboren. Erstes Spiel Live: 1976 gegen Nürnberg. Seit den 80igern Jahreskarteninhaber. Pro: Boxer, den Meister, Latal, Abi, Klaus Fischer, Wilmots, Ebbe, Bordon, Borodjuk, Böhme, Huub, Neururer, G.+K. Eichberg. Contra: Golden Goal, Wiederholungsspiele, Söldner, Zecken- und Barziewechsler, Arenatouries und eigene Team Auspfeiffer, Netze vor der Kurve.

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